Entries tagged as romaneSunday, May 4. 2008Sergej Lukianenkos SpektrumIm Zuge des Aussortierens meiner persönlichen Bibliothek bin ich auf den Gedanken gekommen, dass ich so einige Bücher mal wieder lesen möchte. Unter anderem die Romane von Lukianenko. Bekannt ist dieser Autor wohl hauptsächlich durch die Wächter-Filme, deren erster Teil Wächter der Nacht auch in den deutschen Kinos lief und in Russland dem Herrn der Ringe uneingeschränkt Konkurrenz macht, genau wie die zu Grunde liegende Wächter-Saga. Anfangen möchte ich aber mit dem einzelnen Roman Spektrum. Dieser erzählt die Geschichte des Privatdetektivs Martin, der auf einer Erde lebt, die an ein außerplanetarisches Transportnetz angeschlossen ist. In seiner Tätigkeit sucht er Personen, die auf andere Planeten gereist sind. Die Gründe sind dabei so unterschiedlicher Natur, wie im normalen Leben. Die Reise zu anderen Planeten muss durch eine Geschichte an die Schließer, welche das Transportnetz aufgebaut haben, bezahlt werden. Martin, welcher den Bogen des Erzählens raus hat, wird von einem gut betuchten Geschäftsmann angeheuert dessen Tochter zu suchen. Diese ist urplötzlich zu anderen Planeten aufgebrochen um die Geheimnisse des Universums zu enthüllen. Daraufhin beginnt eine spannende Reise über verschiedene Planeten und Begegnungen mit einer entsprechenden Zahl verschiedenster Rassen. Lukianenko erzählt in Spektrum eine spannende Geschichte die sich als eine Mischung aus typischen Science-Fiction- und Detektivromanen präsentiert. Eine interstellare Version von Gullivers Reisen mit einer unübersehbaren, philosophischen Grundfrage um die Existenz des Menschen, den Sinn des Lebens und den Wunsch nach Allmacht. Der Leser wird vom Hauptcharakter in die Entwicklung seiner eigenen Antwort mitgenommen. Durch den Aufbau und die stetige Konfrontation mit den Fragestellungen schafft es Lukianenko dem Leser auch eine anspruchsvollere Lektüre zu bereiten. Hier liest sich nicht die übliche oberflächliche Trivialliteratur des zwanzigsten Jahrhunderts sondern eine extrem reflektierte und ansprechende Literatur, fern ab von gängigen Fantasy- und SciFi-Klischees. Und es lohnt sich auch jedes Buch ein zweites Mal in die Hand zu nehmen, um auch die kleineren Elemente in der Komposition zu würdigen. Defined tags for this entry: lukianenko, romane
Saturday, March 29. 2008Reisen und Lesen
Vorhin habe ich per Feed eine nette Entdeckung gemacht, die Ausnahmsweise auch mal unter Gelesen landet.
Bei der FAZ gibt es seit heute den Romanatlas. Hier werden Orte mit Romanen, Autoren und anderen Dingen vernetzt. Die Idee dahinter ist, dass das Erlebnis Reise mit dem passenden Buch um ein wesentliches intensiviert wird, vor allem mit einem Reiseziel spezifischen Roman. Nicht umsonst ist eines der beliebtesten Gepäckstücke das Buch, denn so kann das Lesen als Reise gesehen werden. Wer mit dem richtigen Buch in die richtige Gegend reist, dessen Wahrnehmung wird nicht nur gelenkt, sondern in gewisserweise auch intensiviert. Man erlebt die Umgebung anders und auch den Roman oder den Autor. Kafka im dreckigen, kalten Prag ist da sicherlich ein sehr gutes Beispiel und steht auf jeden Fall auf meiner eigenen persönlichen Agenda. Andere und sicherlich auch aktuellere Kombinationen bestätigen dieses Phänomen nur. Viele Schriftsteller haben sich dem Thema Reisen gewidmet. Einerseits in Reiseromanen andererseits in Reisetagebüchern, die sich dann erst richtig nacherleben lassen und man dem Autor auf einer unbestimmbaren Ebene ein Stückchen näher bringt. Die Idee finde ich jedenfalls klasse. Vielleicht sollte man aber lieber ein Plugin für Google-Maps oder ähnliches schreiben. Würde jedenfalls einem größeres Netzwerk zugänglich sein und mehr Aufmerksamkeit finden. Tuesday, March 25. 2008Sven Regeners Neue Vahr Süd
So, nun habe ich gestern auch Neue Vahr Süd zu Ende gelesen. Es ist der zweite Roman von Sven Regeners Lehmann-Trilogie. Ein gutes Stück umfangreicher noch als der erste Teil erzählt Neue Vahr Süd über die Zeit bevor Frank Lehmann nach Berlin zog und wie es dazu kam.
Der Umstand einer verschwitzten Verweigerung und das damit einhergehende Ableisten der Wehrpflicht werfen Franks Leben durcheinander. Mehr im Affekt zieht er bei den Eltern aus und landet in einer chaotischen Wohngemeinschaft mit ehemaligen Schulkameraden und einem Ex-Genossen dieser beiden. Während Frank innerhalb der Woche die Zeit beim Bund ableistet und sich mit den eigenen Gedanken und Problemen herum schlägt, tragen die teilweise wechselnden Mitbewohner ihre Streitigkeiten aus und üben die Revolution. Das Ende des Durcheinanders löst sich dann in der Entscheidung zu seinem Bruder nach Berlin zu fahren und dort heimisch zu werden. Wer immer schon mal wissen wollte, warum Herr Lehmann nach Berlin zog, wie sein Leben vorher ausgesehen und er eigentlich Karl kennen gelernt hat, für den ist Neue Vahr Süd wirklich eine Pflichtlektüre. Mit einer gehörigen Portion lebendiger Absurdität und ungemindertem Humor schreibt Sven Regener die Geschichte um Herrn Lehmann mit ihrem Beginn weiter. Monday, March 17. 2008Sven Regeners Herr Lehmann
Gestern habe ich es endlich geschafft Sven Regeners "Herr Lehmann" bis zum Ende durchzulesen. Der Roman ist zwar schon einige Tag älter, um genau zu sein wurde dieser 2001 veröffentlicht, aber das soll dem Ganzen keinen Abbruch tun, denn Sven Regener hat auf der diesjährigen lit.cologne aus dem dritten und letzten Teil der Herr-Lehmann-Trilogie gelesen und mir war es vorher, so muss ich zu meiner Schande gestehen, nicht bekannt.
Der Roman spielt 1989, das Jahr des Mauerfalls, in West-Berlin. Herr Lehmann, eigentlich mit Vornamen Frank wird in diesem Jahr 30 Jahre alt und wird deshalb von allen nur Herr Lehmann genannt. Die Handlung beginnt einige Wochen vor seinem Geburtstag auf dem Heimweg, von der Kneipe in der Herr Lehmann arbeitet, mit einem Hund, der ihn nicht vorbeilassen will und den Beginn einer komischen Absurdität kennzeichnet. Die Geschichte setzt sich mit der Nachricht der Mutter über einen baldigen Besuch und die Begegnung mit Kathrin fort, die seinen Hormonhaushalt durcheinander wirft. Nach dem Besuch der Eltern beginnt sich die Geschichte tragisch zu entwickeln. Eine missglückte Grenzüberschreitung nach Ost-Berlin und vorher schon angedeutete Probleme seines Freundes Karl finden einen Höhepunkt an seinem Geburtstag, dem Tag der Maueröffnung. Deren Geschehnisse von ihm wenig wahrgenommen werden und an der vorgehenden Geschichte zerbröckeln. Die Geschichte von Herrn Lehmann führt den Leser durch die verschiedensten Gefühlszustände vom herzhaften Lachen bis zur tiefen Nachdenklichkeit. Es lohnt sich jedenfalls für jeden einige Stunden zu riskieren und sich das Buch anzulesen, man wird es nicht bereuen.
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