Review: Persepolis
Den Inhalt des Films bildet die Biografie von Satrapi, die Jahre der Kindheit und Jugend um genauer zu sein. Die Geschichte beginnt mit dem zehnjährigen Mädchen, dessen Eltern sich unter dem Schah ein gutes Leben aufgebaut haben und doch mit der Inhaftierung und Verfolgung von Verwandten leben müssen. Mit der hereinbrechenden Revolution hoffen sie auf die Demokratie im Iran, doch die religiös motivierten Radikalen gewinnen die Wahl und radikalisieren das Land immer stärker nach islamischen Lehren. Der Traum von einer freien nicht-totalitären Regierung ist geplatzt. Durch ihren Onkel und die bürgerlich-liberalen Eltern beeinflusst, begreift die kleine Marjane das Ganze noch als Spiel. Sie verspottet die Ordnungshüter und spielt mit ihren Freunden, wobei der Verlierer gefoltert werden soll. Als das Land im Krieg mit dem Irak liegt und dann auch Bomben auf Teheran fallen, wird Marjane von ihren Eltern ins Ausland zur Schule geschickt um in der Sicherheit Europas bei Verwandten in Wien aufwachsen zu können. Bis zur Heimkehr in den Iran lernt sie die europäische Kultur kennen, schließt Freundschaften, beschäftigt sich mit den Intellektuellen Themen dieser Zeit und lebt die Sehnsüchte und Wünsche der jungen Generationen aus, wie auch schon als Kind in der alten Heimat Teheran. Nach einer unglücklichen Liebesaffäre bricht sie dann aber zusammen, wird zur Streunerin und landet dem Tode von der Schippe gesprungen im Krankenhaus. Sie entscheidet sich dann zur Rückkehr in den Iran und beginnt, nach einer tiefen Depression, ein neues Leben in der alten Heimat. Sie studiert, lernt einen Mann kennen und heiratet ihn, um den Problemen mit dem Regime aus dem Weg zu gehen, die jedes Treffen erzeugen. Doch die Liebe hält nicht lange an und die anhaltenden Probleme mit dem Regime lassen sie wieder nach Europa flüchten. Der Film ist hauptsächlich in schwarz-weiß gehalten und nur die wenigen Elemente der Rahmenhandlung sind farbig dargestellt. Doch dies unterstützt die Emotionale Wahrnehmung des Zuschauers. Nicht nur, dass die gesamte Geschichte von todtraurigen über herzhaft lustige Szenen die Absurdität und Menschlichkeit darstellt. Die allegorischen Bilder in der schwarz-weißen Darstellung brechen auf und erweitern die Geschichte um viele emotionalisierende Aspekte. Heimat und Heimatlosigkeit werden ebenso zum Thema, wie die intellektuellen Gedankengänge und die Ausmaße und Auswüchse des repressiven Staatssystems. Aus meiner Perspektive erhebt sich ein klares existenzialistisches Moment aus der Geschichte des Films. Nicht nur die Absurditäten in der Betrachtung der verschiedenen Kulturen, welche der Hauptcharakter wahrnimmt, sondern vor allem die stetigen Gegenüberstellungen von moralischer Bewertung und inneren Wünschen erheben hier einen stark existenzialistischen Anspruch. Insgesamt finde ich den Film sehr gelungen und werde mir auf jeden Fall nochmal die Comics besorgen. Grandiose Bildkompositionen, so war ich begeistert von dem Traumbild, in dem Gott und Marx zusammen auf einer Wolke erscheinen und Gott von Marx Schlachtrufen leicht genervt wirkt. Einfach nur genial umgesetzt und eine wunderbare stark emotionalisierende Story. Existenziell minimalistisch ohne den sonst üblichen kitschigen Bildüberschuss. Einfach großartig. Hier noch der Trailer: Veröffentlicht am Wednesday, June 4. 2008 in GesehenKategorien
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